Die genaue Herkunft des Dudelsacks (auch Sackpfeife) ist unklar. Man vermutet, dass er aus dem indischen/asiatischen Raum stammt. Eine andere Theorie spricht von der Wiederentdeckung eines Instruments in der römischen Antike. Bereits für das 1.Jht. v.Chr. hat man Dudelsäcke in Asien nachgewiesen, und auf einer römischen Münze ist Kaiser Nero zu sehen, wie er die "tibia utricularis" spielt. Sie wird als ein 'Rohrblattinstrument mit Ledersack' übersetzt und als Sackpfeife gedeutet. In Rom wurde er vorwiegend als Militärinstrument genutzt. Etwa 2800 v.Chr. gab es im mittleren Orient Hirtenflöten, die ebenfalls als Vorläufer der heutigen Dudelsäcke gesehen werden können.
Im Mittelalter verbreitete sich die Bordunmusik (Bordun = ein während der gesamten Melodie anhaltender Begleitton.) und damit auch der Dudelsack in ganz Europa bis Asien und Nordafrika. Bis ins 16.Jht. war er das typische Instrument der Landleute. Doch verschwanden sie immer mehr und blieben auf Randregionen wie spanisch Galizien, Sardinien oder den Karpaten beschränkt. Die Ausnahme bildet Schottland, und hier im besonderen Maße die Highlands. Dort begann zu Anfang des 17.Jhts. die Geschichte der Great Highland Bagpipe von heute. Als in Schottland die schottische Tradition untersangt war, wurde auch der Dudelsack 2x verboten. Erstens 1560 nach der Reformation und 2. im Jahre 1746 nach der Schlacht von Culloden Hill. Heute gilt der Dudelsack als Wahrzeichen schottischer Identität.
Mittelalterliche Dudelsäcke sind nicht im Original überliefert, aber durch viele erhaltene Abbildungen (z.B. in der Cantigas De Santa Maria - Liederhandschrift, 13.Jht.) erschließbar. Das Platerspiel gilt als Vorläufer des Dudelsacks und war bis ins Spätmittelalter verbreitet. Hierbei wird eine kleine Schweineblase mittels Mundstück aufgeblasen. Am unteren Ende der Blase schließt sich eine Spielpfeife an.
Der einfache Dudelsack besteht aus einem Sack, der unter den Arm geklemmt und mit einem Anblasrohr aufgeblasen wird. Durch Druck, den der Spieler mit seinem Arm ausübt, wird die zuvor in den Sack geblasene Luft in die Spielpfeife gepresst und zum Klingen gebracht. Typisches Merkmal der Dudelsackmusik ist sein ununterbrochener Klang. Dieser ist deshalb möglich, da die Luftzufuhr nicht ständig direkt aus dem Mund erfolgt und durch Einatmung unterbrochen wird, sondern aus dem Sack.
Der Dudelsack kommt in vielen verschiedenen Typen vor. Unterschieden wird nach der Anzahl und der Art von Bordun- und Spielpfeifen. Die Töne in der Pfeife werden durch je ein Rohrblatt, das einfach oder doppelt sein kann, erzeugt. Früher verwendete man Bambusröhrchen, bei denen eine Zunge (also ein längliches Stück) herausgebrochen wurde. Diese Bauart hat unbestritten den schönsten Ton, ist aber leider sehr feuchtigkeitsempfindlich. Aus diesem Grunde haben sich hier Kunststoffkonstruktionen durchgesetzt. Die Luftzufuhr in den Windsack erfolgt, wie oben erwähnt, durch ein Anblasrohr mit dem Mund oder durch einen Blasebalg (z.B. bei den Uillean Pipes).
Anfangs hatte der Dudelsack keine Bordunröhren. Im Laufe der Zeit wurden ihm 1 bis 3 Bordunrohre hinzugefügt. Form, Art und Länge der Spielpfeife und der Bordune wechselte.
Da der Sack, das Luftreservoir, ständiger Feuchtigkeit ausgesetzt ist, wir seid längerem Gore-Tex (Kunststoff) anstelle des herkömmlichen Leders verwendet. Dies hat keinen Einfluss auf die Qualität des Klangs der Töne, aber einen großen Einfluss auf das Handling des Sackes. Bei den Gore-Tex-Säcken ergibt sich das Problem, dass sie die Feuchtigkeit aus der Atemluft nicht aufnehmen können. Dies versucht man mit Wasserabscheidern - ein gewundener Schlauch zum Sammeln des Kondenswassers - und Catlitterboxes (Behältnisse mit feuchtigkeitsabsorbierenden Materialien, ähnlich wie Katzenstreu, daher der Name) Herr zu werden. Diese Sackbauart benötigt kein Dichtmittel, sollte aber trotzdem aus hygienischen Gründen regelmäßig gereinigt werden. Es gibt im Handel bewährte Dichtmittel auf natürlicher Basis, die leider aber eher mit einem unangenehmen Geruch behaftet sind. Neuerdings gibt es aber auch lösungsmittelfreie, geruchlose Dichtmittel.
Es gibt nach Schätzungen von Experten heute europaweit etwa 180 Dudelsackmodelle! Hier möchte ich die Bekanntesten nennen:
Der Mittelaltersack:
Er entspricht im Aussehen entfernt relativ frühen Dudelsackabbildungen. Die heute verbreitete Form ist jedoch eine Entwicklung der letzten 20 Jahre. Sowohl Bordun- wie Spielpfeifen sind mit großen Schalltrichtern versehen, wodurch er sehr laut ist und für das Spielen im Freien bestens geeignet ist. Die einfache, offene Griffweise macht das Instrument leicht erlernbar. Die meisten Mittelaltersäcke sind in a-moll zu spielen, es gibt aber auch Modelle in G-Dur. Mit diesem Dudelsack ist es auch für Anfänger möglich, die beliebtesten Dudelsackstücke (z.B. den "Saltarello" oder "Traubentritt") zu spielen, was ihn heutzutage zur gefragtesten Dudelsackvariante macht. Es gibt aber auch Profi-Ausführungen mit mehreren Bordunen.
Der Prätorius-Bock:
Ein beeindruckend großer Dudelsack. Er wurde nach historischen Abbildungen von Michael Praetorius aus dem Jahr 1619 rekonstruiert. Die Schalltrichter an den Enden der Spielpfeife und des Borduns waren aus echten Hörnern und gaben ihm einen tiefen, nachhallenden Klang. Durch die Blockflötengriffweise ist er für Leute aus der Mittelalter- oder Renaissance-Szene recht leicht erlernbar.
Die Schäferpfeife:
Und noch eine Rekonstruktion nach historischen Vorbildern von Michael Praetorius. Ihre Tatsächliche Bauart ist allerdings unbekannt, da kein Originalstück vorhanden ist. Die Schäferpfeife ist also gewissermaßen ein moderner Nachbau im historischen Gewand. Sie besitzt die typisch deutsche Bauform mit 2 nach vorne gerichteten Bordunen im Oktavabstand, die ihr einen sowohl weichen als auch kräftigen Klang verleihen. Die Spielpfeife, mit ihren anderthalb Oktaven Tonumfang, wird in halbgeschlossener französischer Griffweise bespielt.
Die flämische Form (der "Flame") wird oft auch Schäferpfeife genannt, u.a. weil er der Schäferpfeife sehr ähnlich sieht. Der Flame hat 3 Bordune. Es gibt auch Schäferpfeifen mit über der Schulter liegenden Bordungruppen.
Die Great Highland Bagpipe (dt. Große Schottische Hochlandpfeife, gäl. Piob Mhor):
Sie gehört zu den lautesten Sackpfeifen-Modellen und ist vom schlichten Schülermodell bis zum vergoldeten Modell zu haben. Der Sack der Highland wird mit dem Mund aufgeblasen, während bei den Varianten Lowland und Border Bagpipe der Sack mit einem Blasebalg unterm Arm mit Luft versorgt wird. Die Bordunpfeifen werden hier "Drones" (von denen es bis zu 6 Stück gibt!) und die Melodiepfeife mit den Grifflöchern "Chanter" genannt.
Die Gaita:
Dieser spanische Dudelsack gehört ebenfalls zu den lauten Dudelsäcken. Ihre Spielpfeife ist stark konisch (unten enger als oben) geformt und hat den Tonumfang einer None. Es gibt sie mit ein oder zwei Bordunen und wird in offener Griffweise bespielt.
Das Hümmelchen:
Eine leise Sackpfeife mit zylindrisch gebohrten Spiel- und Bordunpfeifen und leicht quakendem Klang, ähnlich dem Krummhorn. Gespielt wurde es in der Renaissance. Mit 2 bis 4 Bordunen wird er "Dudey" genannt. Trotz der geringen Lautstärke und der Blockflötengriffweise ist das Hümmelchen jedoch eher weniger für Anfänger geeignet, da es einen hohen Anblasdruck benötigt.
Die Säckpipa:
Ebenfalls ein kleiner Dudelsack in Zimmerlautstärke, aber im Gegensatz zum Hümmelchen durch die leichte Ansprache bestens für Anfänger geeignet.
Die Uillean Pipes:
Die irische Dudelsackart. Sie zeichnet sich durch den Blasebalg aus, der unter den Arm geklemmt und mit dem die Luft in den Sack gepumpt wird. Als einzige Dudelsackart verfügt sie über 2 Oktaven Tonumfang. Die Anzahl der Bordunpfeifen variiert. Diese können auch auf andere Tonarten umgestimmt werden. Mit einer speziellen Technik ist dies auch während des Spiels möglich.
In der Tanzshow "Riverdance" gibt es übrigens ein ganz tolles Uillean Pipes-Solostück: Caoineadh Cu Chulainn.
Die Practice Chanter:
Die "Übungspfeife" ist ein Instrument zum Erlernen des Dudelsacks und kann zum Üben in geschlossenen Räumen verwendet werden. Sie wird mit dem Mund angeblasen und besitzt ein Doppelrohrblatt, aber keinen Sack.
Obwohl es durchaus Beispiele für höfische Beschallungen gibt, wurden Dudelsäcke nicht zuletzt wegen ihrer Lautstärke ins Freie verbannt. Für Tänze und Dorffeste waren sie ideal und wurden ein Symbol der umherziehenden Spielleute. Die modernen Spielleute und Instrumentenbauer haben dem Dudelsack zur Weiterentwicklung verholfen. Nicht alle Säcke, die einem auf Mittelaltermärkten begegnen, sind authentisch. Mittlerweile sind auch elektrische Sackpfeifen (E-Pipes), die Midigesteuert an einen Verstärker angeschlossen werden können, zu haben.