Moraharpa
Eine mögliche Haltungsform
Moderne Nyckelharpa
Kommen wir zu meinem Lieblingsinstrument! 😊
Die älteste Abbildung einer Nyckelharpa findet sich auf einem Steinrelief in der Kirche von Källunge auf Gotland in Schweden. Außerdem wurden in der schwedischen Provinz Uppland Wandmalereien gefunden, die Engel mit Nyckelharpas darstellen, was Rückschlüsse auf die Wertschätzung des Instrumentes zur damaligen Zeit erlaubt.
"Nyckel" ist schwedisch und bedeutet Schlüssel. "Harpa" wird für Saiteninstrumente allgemein, aber besonders für fidelähnliche Instrumente verwendet. In Deutschland nennt man sie Schlüsselfidel. Die Bezeichnung lässt sich auf Michael Praetorius zurückführen, der in seinem Werk "Syntagmatis musici tomus secundus" mit "Theatrum instrumentorum" (oder einfach "Syntagma musicum") eine Moraharpa abbildete und sie dort Schlüsselfidel nannte.
Die Moraharpa ist die älteste erhaltene Nyckelharpa. Sie ist nach ihrem Fundort Mora in Schweden benannt. Andere glauben jedoch, dass sie in Älvdalen in Dalarna (Mittelschweden) gefunden und nach ihrer heutigen Heimat, dem Anders-Zorn-Museum in Mora, benannt wurde. Auf ihrer Halsrückseite steht die Jahreszahl 1526, wobei es sich hierbei nicht um das Baujahr handeln soll. Man vermutet, dass sie um 1680 entstand.
Die Nyckelharpa ist sozusagen das schwedische Traditions- oder Nationalinstrument. Der Korpus sieht einer großen Geige ähnlich. Man legt sie allerdings nicht auf die Schulter, sondern hält sie mit einem Schultergurt auf Bauchhöhe. Auf ihrem Hals ist ein Kasten montiert, durch den die Schieber/Tasten, die mit kleinen aufrechten Pflöcken (den "Fähnchen") bestückt sind, verlaufen. Es gibt diatonische und chromatische Harpas. Das ist abhängig von der Anzahl der Tastenreihen. Alte Modelle, wie z.B. die Mora, haben nur eine Reihe und sind diatonisch, wogegen die modernen, chromatischen schon 3 bis 4 Reihen haben. Wird eine Taste betätigt, drückt das Fähnchen gegen die klingende Saite und erhöht den Ton. Mit einem mit Rosshaar bespannten Bogen werden die Saiten angestrichen. Die Anzahl der Saiten variiert. Neuere Instrumente haben mehr Saiten als alte, so hat die heutige Nyckelharpa beispielweise 12 Resonanzsaiten! Je mehr Resonanzsaiten eine Harpa hat, desto 'weiter' wird ihr Klang.
Heutzutage gibt es viele verschiedene Formen der Nyckelharpa. Hier möchte ich einige Modelle (nach Alter und Komplexheit aufwärts) beschreiben:
Die Moraharpa (pentatonisch):
Wie bereits erwähnt ist sie die älteste erhaltene Nyckelharpa. Sie hat lediglich eine Tastenreihe, sowie 2 oder 3 ungegriffene Bordunsaiten (Bordun = ein parallel zur Melodie mitklingender Dauerton), aber keine Resonanzsaiten (Resonanzsaite = Saiten, die nicht durch Berührung schwingen, sondern nur dann, wenn der Ton angespielt wird, in dem sie gestimmt sind). Ihr Korpus ist breiter als der der modernen Nyckelharpa.
Die Esseharpa (pentatonisch):
Sie ist der Moraharpa sehr ähnlich. Auch sie besitzt nur eine Melodiesaite und 2 Bordunsaiten, und wurde nach ihrem Fundort benannt.
Die Enkelharpa (pentatonisch):
Sie kam Anfang des 18.Jhts. auf und ist bereits mit Resonanzsaiten und mehreren Bordunsaiten "aufgerüstet". Auch sie besitzt nur eine Tastenreihe (Enkelharpa lässt sich in etwa mit "Einreiherharpa" übersetzen), allerdings hat sie bereits den heute üblichen Nyckelharpakorpus. Im Mittelalter und der Renaissance war sie sehr verbreitet.
Die Kontrabasharpa (halbchromatisch):
Sie wurde Anfang der Renaissance entwickelt und besitzt 2 oder 3 Tastenreihen. Es sind aber noch immer nicht alle Halbtöne vorhanden, sodass sie nur in bestimmten Tonarten spielbar ist. Durch das Greifen von 2 Tasten können bereits Akkorde gegriffen werden. Um den Tonumfang der Tastatur zu erweitern, wurden die Bordunsaiten mittig angeordnet. Trotz dieser Entwicklung galt sie im 19.Jht. als Arme-Leute-Instrument, da sich reiche Leute ein Akkordeon leisten konnten. Deshalb wurde sie auch als "Knarverharpa" (Knarzfidel) bezeichnet.
Die Silverbasharpa (halbchromatisch):
Der Name "Silverbas" bezieht sich auf die mit Silber umsponnene Basssaite. Ansonsten ist sie der Kontrabasharpa ähnlich.
Die Nyckelharpa (vollchromatisch):
Eigentlich handelt es sich hierbei um den Sammelbegriff aller Nyckelharpa-Typen, doch hat sich der Begriff als Bezeichnung der chromatischen Nyckelharpa durchgesetzt. Sie wurde 1929 von August Bohlin entwickelt und etwas später zu einem modernen, vielse(a)itig einsetzbaren Instrument weiterentwickelt. Sie wurde um eine Tastenreihe (nun also 4) und mehr Resonanzsaiten (12 insgesamt) erweitert. Jetzt waren auf ihr auch alle Halbtöne spielbar, was sie zu einem vollchromatischen Instrument machte.
Bei den vielen Saiten stellt man sich das Stimmen natürlich grauenhaft vor! Zur Erleichterung der Spieler wurde die Nyckelharpa deshalb mit Stimmmechaniken für Mandoline oder Gitarre ausgestattet. Es ist nicht genau vorgegeben, wie die Harpa gestimmt werden soll. Die traditionelle Stimmung ist c-g-c'-a'; viele Spieler verwenden aber eigene Formen der Stimmung.
Die Tenornyckelharpa (vollchromatisch):
Von der Ausstattung her ist sie identisch mit der Nyckelharpa, nur ihr Korpus ist ein wenig größer. Die Tonlage ist um eine Oktave vertieft. Sie lässt sich gut als Zweitstimme zur normalen Nyckelharpa verwenden.
Jüngster Streich der Neuzeit ist eine E-Harpa.
Alle Harpas, die vor 1900 in Gebrauch waren (also alle, außer die Nyckelharpa und die Tenornyckelharpa), werden in Schweden als "Gammelharpa" (gammel = alt) bezeichnet und werden heute gerne für historische oder traditionelle Musizierformen genutzt.
Bis zu den 60ern war das Instrument so gut wie ausgestorben, bis es dann im Zuge des Folkmusik-Booms wiederentdeckt wurde. Gerade jetzt, wo Mittelaltermusik immer mehr im Kommen ist, trifft man auch immer öfter auf sie.
In Österbybruk, im schwedischen Uppland, findet sogar jedes Jahr ein Treffen der besten Spielleute statt, die sogenannte "nyckelharpstämman". Dort kann man an Wettbewerben teilnehmen, Instrumente bauen oder ein bereits gefertigtes Instrument zur Begutachtung einreichen.