Schlaginstrumente waren sicher die ersten Instrumente mit denen Menschen Musik machten. Keine zur Erzeugung verschiedener Tonhöhen, sondern allein für den Rhythmus.
Auch bei diesen Instrumenten gilt: laut ist nicht immer das Beste! Gerade bei der Auswahl der Trommeln ist darauf zu achten, welche Instrumente begleitet werden sollen. Die schönste Fidel hört man neben einer Basstrommel nicht mehr.
In der Folk- und Mittelaltermusik gibt es zahlreiche Schlaginstrumente, u.a. auch aus dem afrikanischen oder arabischen Raum. Was leider oft vergessen wird: Eine Djembe oder ähnliche afrikanische Trommeln haben nichts mit Mittelalter zu tun. Orientalische Trommeln hingegen waren weit verbreitet und wurden auch zur Melodieführung eingesetzt.
Bei allen Trommeln entscheiden der Korpus und die Größe und Art des Fells über den Klang. So besitzt ein leichter, gut gebauter Korpus einen tieferen Bass als ein "dickes Fass", und ein fein abgeschabtes Fell klingt klarer als ein grob abgeschabtes.
Unter den Schlaginstrumenten kann man unterscheiden zwischen den Membranophonen ("Fellklinger". Instrumente, die zur Klangerzeugung eine Membran besitzen. Diese kann ein gespanntes Fell, aber auch Plastikfolie, Papier oder ähnliches sein. Damit die Membran klingt, muss sie zum Schwingen gebracht werden. Das geschieht durch Anschlagen) und den Idiophonen ("Selbstklinger". Instrumente, die durch Eigenschwingung des Körpers klingen, ohne dazu eine Saite, Membran oder die Schwingung einer Luftsäule, wie die Blasinstrumente, benötigen. Komplexere Idiophone können nicht nur Rhythmus, sondern auch Melodien erzeugen, wie etwa ein Xylophon).
Generell wurde schon immer benutzt, was einem in die Hände fiel und irgendwie zum Klingen gebracht werden konnte. Ich möchte hier die bekanntesten Schlaginstrumente aus der Folk- und Mittelaltermusik nennen:
Der Davul (bulg. "Tupan", griech. "Dauli", russ. "Tumyr"):
Sehr zu empfehlen für Mittelalter-Dudelsackmusik! Die große Basstrommel gehört zur Familie der Schnurtrommeln. Schnurtrommeln zeichnen sich durch einen kräftigen, vollen Klang und ihr sehr niedriges Gewicht aus. Das Fell ist direkt am Korpus befestigt, somit kann man auf dem Rand der Trommel spielen.
Der Davul stammt ursprünglich aus der türkischen Folklore. Getragen wird er vertikal vor dem Bauch. Der Kessel ist beidseitig mit einem höher und einem tiefer klingenden Fell bespannt. Die beiden Spannringe werden mit einem Schnürsystem verbunden, das dem Spieler erlaubt, die Spannung nachzustellen. Gespielt wird mit einem Holzschlegel und einer Weidenrute.
Die Landknechttrommel (Tabor, Langtrommel):
Sie gehört ebenfalls zu den Schnurtrommeln.
Diese große, längliche Trommel wurde/wird sowohl für Militärparaden eingesetzt als auch bei anderen öffentlichen Anlässen.
Das Päuklein:
Auf vielen alten Abbildungen ist ein kleines Päuklein zu sehen, das sich der Spieler um den Bauch geschnürt hat. Gespielt wurde mit 2 Schlegeln, möglich war aber auch eine Kombination aus einhändig gespieltem Päuklein und Einhandflöte.
Die Bodhran (sprich "Bau-rohn", auch "Mondtrommel"):
Die irische Rahmentrommel ist ein relativ "junges" Instrument. Richtig ''entdeckt'' wurde sie erst in den 1950ern und 1960ern durch Bands wie The Chieftains und The Dubliners. Die Herkunft des Namens ist unklar. Das gälische Wort "Bodhran" bedeutet "tiefer Ton", das irische Wort "Bodhar" "taub" oder "eindringlich". Einige sehen den Ursprung des Namens auch in der Schellentrommel "Tambourine", welche auf Handelswegen nach Irland gekommen sein könnte. Genauso denkbar ist der "Import" einer Rahmentrommel aus einem anderen Land, aus der sich dann die Bodhran entwickelte. Wieder eine andere Theorie besagt, dass irische Bauern auf die Idee kamen, Transportgefäße für Torf oder Getreide oder Erdsiebe mit Fell zu bespannen, um sie als Instrumente zu benutzen.
Die kleine flache Trommel besitzt einen kreisrunden Rahmen, der einseitig mit einem Fell (oft Ziegenfell) bespannt ist. Ihr Durchmesser reicht von 20cm bis hin zu 50cm. Der Rahmen ist bei Bedarf mit einem Kreuz verstärkt, um die Stabilität der Trommel zu erhöhen, da der Rahmen möglicherweise unter der Fellspannung nachgeben könnte. Eine gute Bodhran benötigt also das Kreuz nicht unbedingt.
Moderne Bodhrans besitzen ein mechanisches Stimmsystem, mit welchem es dem Spieler möglich gemacht wird, entweder einen eher dumpfen, bassigen Klang (lockeres Fell) oder einen hellen Klang (gespanntes Fell) zu erzeugen.
Normalerweise wird die Bodhran im Sitzen gespielt, wobei sie auf dem Knie des Spielers steht. Der Rechtshänder berührt mit seiner linken Hand die Innenseite des Fells und kann so durch Druck und verschiedenen Handpositionen die Tonhöhe variieren oder Dämpfungseffekte erzielen. Mit der rechten Hand wird sie mit einem Holzschlegel (dem "Tipper", "Beater" oder "Stick") gespielt. Man kann bei den Schlägen unterscheiden zwischen "Upstroke" und "Downstroke", also Aufschlag und Abschlag. Der Tipper wird in einer rotierenden Bewegung über das Fell bewegt. Um Verziehrungen anzubringen, kann man auch einen Doppelschlag ausführen, bei dem beim Downstroke auch der obere Teil des Tippers das Fell berührt ("Double Downstroke") und so den unverwechselbaren Klang erzeugt.
Das Tamburin (Tambourine):
Das vermutlich aus Ägypten stammende Tamburin ist eine einseitig bespannte Handtrommel, an deren Seite Schellen oder Metallplättchen eingearbeitet sind, sodass es sowohl geschlagen als auch geschüttelt werden kann. Eine Abwandlung ist das kleinere Riqq.
Im Mittelalter war die Schellentrommel unter der Bezeichnung "tympanum" bereits im ganzen europäischen Raum heimisch. Weit verbreitet ist sie aber auch in der Folklore vieler anderer Kulturen.
Die mittelalterliche Schellentrommel bestand aus einem eckigen oder runden, flachen Holzrahmen mit einem Fell; die Unterseite war offen. An der Zarge waren in gleichmäßigen Abständen 4 oder mehr Schellenpaare befestigt, die etwas größer und dicker waren als die heutigen. Zusätzlich oder anstelle der Schellen wurden oft auch Glöckchen oder andere rasselnde Gegenstände in den Rahmen gearbeitet. Die Schellentrommel wurde mit der flachen Hand oder mit den Fingern angeschlagen. Sie war auch das Instrument der Gaukler und fahrenden Spielleute. Neben der Schellentrommel wurden auch andere Formen der Rahmentrommel als Tympanum bezeichnet: Die ein- oder zweifellige Rahmentrommel, sowie eine Form die auf der Unterseite mit einem Holzboden verschlossen war. Diese Trommeln wurden entweder mit der Hand oder mit Holzschlegeln angeschlagen. Manche Abbildungen zeigen auch Instrumente mit einer Schnarrseite am Fell - die Tonerzeugung erfolgte hier möglicherweise durch Zupfen der Seite.
Weitere Idiophone die gerne in der Mittelaltermusik benutzt werden, ist z.B. der Schellenbaum (mehrere an einem Stock befestigte Schellen), an einem Band am Arm oder am Fuß befestigte Schellen, die (Stiel-)Kastagnetten ("kleine Kastanien"), Reibstöcke, Ratschen, Klappern, Zimbeln (ähnlich den Kastagnetten), Becken und Gongs.